Die richtige Berufung

Woher weiß ich, was ich werden möchte? Sobald man sich umschaut, was es für Studiengänge gibt, wird man erstmal von der Vielzahl erschlagen. Was man dann in seinem Beruf später macht, können sich auch nur die Wenigsten vorstellen … Hier ein paar Gedanken dazu.

Während meiner gesamten Schullaufbahn wollte ich bestimmt 10 verschiedene Berufe werden. Alles begann klassisch mit der Eiskunstläuferin, Sängerin, Schauspielerin. Später wurde es dann etwas handfester und schlug in Lehererin um, dann Sozialarbeiterin, Psychologin bis zu einem Beruf in der Forensik. Daraus entwickelte sich dann Allgemeinmedizinerin bis hin zur Zahnärztin.

Wenn ich darüber nachdenke, was mich in den unterschiedlichen Abschnitten der Berufswünsche alles geprägt hat, dann waren es immer die direkten Einflüsse aus meinem Umfeld. Als Kind guckt man sich eben den ZDF Fernsehgarten gerne an – also warum nicht Tänzerin werden?! Später in der Schule ist man von Lehrern umgeben und wenn einem der Unterricht einigermaßen Freude bereitet, dann wird man eben Lehrerin. Ich finde das total logisch und nachvollziehbar. Es gibt Menschen mit sehr intensiven oder speziellen Hobbys; z.B. Kampfsportler, bei denen ist es nicht weit hergeholt von einer Karriere als Polizist oder Kommissar zu träumen. Arzt-Kinder werden eben auch oft Ärzte, Juristen-Kinder werden oft selbst Juristen. Und so geht es also immer weiter.

Zu all den Einflüssen, aus dem Freundes- und Verwandtenkreis, kommt noch ein allgemeiner gesellschaftlicher Einfluss. Wie sehr wird welcher Studiengang angesehen, wie viel Geld wird damit verdient. Und dann scheiden sich die Leute in die, die das überhaupt nicht juckt und die, denen es wichtig ist ein gewisses Ansehen zu erlangen. So geht das später im Beruf ja dann auch noch weiter.

Bei zu viel Input, habe ich selbst es als schwierig empfunden bei mir und meinen Wünschen zu sein. Nicht, weil meine Familie oder irgendjemand anderes einen besonderes großen Druck auf mich ausgeübt hätte – es ist viel mehr so, dass man ja kaum über den Tellerrand schaut. Man bleibt ja bis zum Erreichen seines Abschlusses meist von demselben Umfeld umgeben. Dann ändern sich hier und da mal ein paar Interessen und Freizeitbeschäftigungen, aber der Einfluss ist stetig ähnlich. Wieso sollte man Chemiker werden, wenn man Chemie nach der Mittelstufe nicht mehr belegt hatte? Vielleicht wäre es aber genau das Richtige für einen.

Im Prinzip ist  man doch bis auf ein paar Praktika gänzlich unerfahren in der Berufswelt und trotzdem wird erwartet, dass man sich entscheidet, was man möchte. Ich selbst war auf einer Waldorfschule und da wurden einem, meiner Meinung nach, viele tolle Möglichkeiten gegeben sich verschiedene Bereiche anzuschauen und auszuprobieren. Aber selbst das ist im Prinzip nicht genug um zu wissen was man machen möchte.

Die Schulzeit wird auf 12 Jahre runtergesetzt, eigentlich doch nur, damit schneller Steuern gezahlt werden können – der Staat schneller einen Nutzen hat an seinem Nachwuchs. Und eigentlich wird einem dabei die Möglichkeit genommen die Welt besser kennen zu lernen, sich selbst zu entwickeln und zu reifen, bevor man sich für einen beruflichen Werdegang entscheidet. Es wird so viel Wissen vermittelt in den Schulen, was ja prinzipiell nicht schlecht ist, aber ich selbst weiß davon kaum noch etwas. Ich erinnere mich an meine vielen Praktika, an meine Gefühle mich in einem Betrieb einzufinden, den Alltag dort zu erleben.

Ich glaube, das Geheimrezept für den richtigen Beruf gibt es nicht – im Laufe des Lebens kann sich noch so viel verändern und man kann sich weiterbilden oder umschulen lassen. Den Beruf führt man im besten Falle bis zur Rente aus – da ist es doch so wichtig, dass er Spaß macht und man sich nicht nur an ein vorgegebenes Muster anpasst. Was ich wirklich wichtig finde ist, dass man sich von Erwartungen der Bekannten, Freunde und Familie frei macht, dass man auf sich schaut und was man sich vom Leben wünscht. Mut und Experimentierlust kann dabei auch nicht schaden!

4 Antworten auf „Die richtige Berufung“

  1. Richtig was Du sagst und im Nachhinein betrachtet geht es mir mit meinen Jobs auch so. Bis auf wenige Ausnahmen, lassen sich alle Berufe durch äußere Einflüsse begründen. Die Ausnahmen selbst entstanden dann durch „Müssen“ – drohende Arbeitslosigkeit z.Bsp. Aber für alle Menschen vor der Berufswahl ein toller Artikel – gerade im letzten Absatz schön, dass Du den freien Willen in den Vordergrund rückst 🙂

  2. Liebe Laura, das ist ein interessantes Thema. Ich bin eigentlich nicht der Meinung, dass man seinen Beruf im „besten Fall“ bis zur Rente ausübt, wohl auch, weil es bei mir so nicht ist. In meiner Bio ist der rote Faden eigentlich der Zufall, der mir immer wieder neue Möglichkeiten eröffnet hat, aber meinen beruflichen Werdegang praktisch unplanbar machte. Und das ist eigentlich ganz gut so. Und ich denke, dass es vielen so geht, dass sie zu ihrem Beruf – oder ihrer Berufung kommen „wie die Jungfrau zum Kinde“ – weil sich die Möglichkeit zu einer bestimmten Ausbildung so ergab, weil die ZVS einem den erwünschten Studienplatz vorenthalten hat, weil die Freundin/der Freund in eine andere Stadt gezogen ist und man sich arrangiert hat. Weil man in einer Zeit lebt, in der eine bestimmte Art, sein Geld zu verdienen und zu leben, gerade sinnig ist. Oder weil die Kinder, die gekommen sind, einem einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Ich würde immer empfehlen, sich nicht zu früh festzulegen oder auf irgendetwas zu versteifen, sondern offen zu bleiben für die vielen Abzweigungen, die vielleicht zu weiteren Wegen und Zielen führen können. Wenn ich dich richtig verstehe, ist das auch die Essenz deines Blogs. Vielen Dank und Liebe Grüße!

    1. Danke für dein ausführliches Kommentar, Georg! Mit „im besten Falle“ meinte ich vor allem, wenn es die Gesundheit zulässt oder man eben nicht von Arbeitslosigkeit betroffen ist und gezwungen ist sich neu zu orientieren (aus einer Not heraus). Ich bin absolut deiner Meinung, dass das Leben und auch der Beruf nicht planbar ist, aber so ins Berufsleben zu starten (mit dem Gedanken, dass ja ohnehin alles anders kommt) finde ich auch nicht richtig. Ich denke, es ist einfach das Beste das tun zu können, was einen erfüllt bzw. sich richtig anfühlt. Sich dabei eine gewisse Gelassenheit und Beweglichkeit erhalten um auf Veränderungen reagieren zu können, finde ich genauso wichtig!
      Liebe Grüße

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