Es weihnachtet sehr!

Dritter Advent, in genau einer Woche ist Heiligabend – was für eine besinnliche Zeit! Oder vielleicht genau das eben nicht? Mein gestriger Abstecher in die Stadt und ein paar Gespräche mit Freunden und Verwandten haben mir ein ganz anderes Gefühl gegeben … 

Eigentlich ist Weihnachten doch ein christliches Fest, das uns die Geburt Christus feiern lässt. Als Kind war es für mich super aufregend, weil sich überall das Christkind (Ja, ich gehöre zu Team-Christkind und nicht zu Team-Weihnachtsmann) hätte zeigen können. Überhaupt gab es noch Geschenke und dann den Adventskalender der einen total auf den 24. Dezember konditioniert hat. Irgendwie gehört das alles so, und vielleicht ist das auch gut so.

Wenn ich jetzt über Weihnachten nachdenke, dann denke ich, dass ich innerhalb sehr kurzer Zeit sehr viel essen muss. Leckeres Essen ist schön, aber bisher war ich am 2. Weihnachtsfeiertag derart überfüllt, dass ich Pellkartoffeln mit Salz und Butter jeder anderen Mahlzeit vorgezogen hätte. Außerdem stehen Erwartungen im Raum, die zwar keinen Druck ausüben sollen, es aber auf mich dennoch immer getan haben. Alle sollen sich lieb haben, das Essen sollte nicht verbrannt/überwürzt/kalt sein, die Geschenke sollten gefallen, der Baum soll leuchten und auf einmal geht jeder in die Kirche, der diese zuletzt vor einem Jahr betreten hat (wenn nicht eine Beerdigung dazwischen gekommen ist innerhalb des Jahres).

Die Stadt war an dem Samstag vor dem 3. Advent sehr sehr voll. Ich habe damit gerechnet und mir entsprechend viel Geduld und Gelassenheit vorgenommen. Viel mehr könnte  man doch darüber lachen, dass gerade an dem Tag die halbe Stadt Einkäufe machen will, jeder noch irgendein Geschenk spontan besorgen muss, etc. Stattdessen sind alle genervt. Ich wurde mehrmals angerempelt, umgerannt, habe erstaunte Gespräche mitgehört „Wahnsinn, warum ist nur so viel los?!“ und der Satz „Ich hasse Menschen!“ ist mir auch mehr als ein mal zu Ohren gekommen.

Und dann fühlen sich viele Menschen verpflichtet etwas Teures und Wertvolles zu verschenken. Ich bin mir manchmal nicht mal sicher, ob es wirklich darum geht dem Menschen einfach eine Freude zu machen oder eher den Menschen in großes Staunen zu versetzen. Viel mehr noch, habe ich manchmal das Gefühl, dass es Leute gibt, die durch den Wert des Geschenkes irgendwelche Versäumnisse der letzten Monate aufwiegen möchten.

Das alles mag jetzt etwas negativ klingen – es ist ja auch durchaus eine Kritik. Ich finde, Weihnachten ist dazu da um sich zu besinnen. Es ist kein Wettbewerb (wenn dieser auch nie ehrlich ausgesprochen werden würde) um den größeren Baum oder das dickere Geschenk. Ich finde auch nicht, dass sich die Oma oder die Mutter oder eben jeder andere verpflichtet fühlen sollte es für alle „schön“ zu machen und dadurch in Stress gerät. Ich finde das selbst auch sehr schwer – sich von alle dem frei zu machen. Aber einfach mal zur Ruhe finden nach einem anstrengenden, aufregenden, enttäuschenden oder traurigen Jahr hat sich doch jeder verdient.

Weihnachten ist immer mehr vom Konsum geprägt, irgendwann kurz vor Schluss kaufen viele nur noch um „etwas“ für XY zu haben. Ob dann da wirklich „Liebe“ oder „Zuwendung“ hinter steckt, ist den Meisten auch total egal. Der Beschenkte darf und kann sich ja dann nicht beschweren. Ich weiß nicht, ob ich diesen Ansatz so richtig finde. Ob es nicht einfach ein schöner Brief oder die Hilfe bei Essen zubereiten sein könnte. Vielleicht wäre es sogar ein Geschenk einen vergangenen Konflikt auszusprechen um die Beziehung zu einem Menschen wieder zu verbessern.

Ich versuche mich dieses Jahr mehr zu besinnen und nicht in all dem Trubel zu verlieren. Ich versuche mich selbst etwas von Erwartungen und Konventionen loszumachen. Und obwohl mir das sehr bewusst ist, fällt es mir sehr schwer, denn auch ich möchte ja niemandem vor den Kopf stoßen – schon gar nicht an Weihnachten!

2 Antworten auf „Es weihnachtet sehr!“

  1. Ein sehr schöner Artikel der gut einen Teil meiner Gedanken widerspiegelt. Ich selbst gehöre zu den Spätkäufern und kenne die vollen Läden und die Schlangen an den Gutscheinausgabestellen der Einkaufszentren. Ich stimme Dir voll und ganz zu – Weihnachten sollte ein Fest der Besinnlichkeit sein … Man sollte sich daher besinnen. Und zwar auf das Wesentliche, die Liebe.

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