Leben und Leben lassen

Und als ich letzte Woche so über den Markt geschlendert bin, sind mir ein paar kuriose Dinge passiert, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Menschen, mit denen man nichts zu tun hat, die man nicht kennt, nie zuvor gesehen hat, urteilen über einen, kommentieren was man tut. Mich hat das gestört. 

Ich habe endlich Semesterferien und somit auch mal Zeit raus zu gehen, in die Stadt, über Tag. Ja, im Semester zog ich tatsächlich eher mal abends los … daher sind mir vermutlich solche Beobachtungen erspart geblieben. Ich wollte mir mit  einer Freundin einfach einen schönen Samstag Vormittag auf dem Markt hier in Münster machen. Den Tag direkt mit dem Frühstücken einer Erbsensuppe starten und mich an der Sonne erfreuen.

Auf dem Markt ist es immer sehr voll, für die Erbsensuppe mussten wir auch ein wenig anstehen und als ich an der Reihe war, wurde ich dann (für mich doch etwas unerwartet – ich war wohl nicht gut vorbereitet) mit der Frage konfrontiert, ob ich in meiner Suppe denn ein Würstchen haben wolle.
Meine Antwort war „Ehmmm, nein, danke!“ Ja, ich gebe zu, diese Antwort war wohl nicht die, die sich die Royals an ihren prunkvollen Weihnachtsfesten geben würde, aber sie war auch nicht vollkommen verwerflich. Jedenfalls drehte sich der Mann, der vor mir stand um, ging mit seiner Suppe an mir vorbei und sagte dabei „Suppe mit ehmmm“ mit sehr abfälligem Ton. Dabei warf er mir auch kein Lächeln zu, kein nettes Zwinkern, nichts …

Später holten wir uns noch eine Waffel mit heißen Kirschen. Und weil wir eben im 21. Jahrhundert leben und meine Generation ein bisschen fixiert auf die sozialen Medien und ihre Smartphones ist, hat meine Freundin doch tatsächlich ein Foto von ihrer heißen Waffel gemacht. Und wieder geht irgendein Mann an ihr vorbei und kommentiert das Geschehen abfällig mit „Aha, tolles Foto … muss das sein …“. Wieder: kein Lächeln, kein Zwinkern, nichts.

Und in beiden Situationen kamen wir nicht drumherum zu lachen, aber irgendwie auch nicht fassungslos zu sein. Was treibt diese Menschen an ungefragt das Handeln der anderen zu kommentieren? Wie unzufrieden muss man mit seinem eigenen Leben sein, dass einen solche Kleinigkeiten so ärgern können und man nicht an sich halten kann?

Jeder kann sich Denken was er will, das finde ich total wichtig und von mir aus können sich beide Männer in ihren Köpfen tierisch darüber aufregen, dass man seine Waffel fotografiert oder unzivilisiert „ehm“ sagt.  Sie können das auch ihren Frauen, Männern, Freunden, Kindern erzählen und sich darüber ärgern, wenn es das tut. Aber was in aller Welt berechtigt sie dazu, anderer Menschen Handeln ungefragt zu kommentieren. Hier ging es ja nun wirklich um belanglose Kleinigkeiten, aber das ist ja erst der Anfang.

So ein Verhalten ist nichts anderes, als vom anderen zu erwarten, dass er genau so lebt, wie man es selbst für sich für richtig hält. Ob es eine ausgewähltere Sprache ist, das Leben ohne Smartphone, heterosexuell, katholisch, vegetarisch … letztendlich fühlen sich  manche Menschen scheinbar davon angegriffen, wenn sie etwas sehen/hören womit sie sich selbst nicht identifizieren können, was aber eigentlich keine Gefahr für sie darstellt. Ich kann das nicht verstehen – ist es nicht das Schöne an diesem Land, dass wir die Freiheit zur Individualität haben, dass es keine vorgegebene Form des richtigen Lebens gibt, dass wir selbst bestimmen können was wir essen, glauben, wen wir lieben wollen oder eben wer wir sein wollen. Wichtig ist doch, dass wir unseren Gegenüber respektieren und so mit ihm umgehen, wie auch mit einem selbst umgegangen werden soll – niemand freut sich über abfällig Kommentare während er einfach unbeschwert eine Erbsensuppe bestellt …

Ich finde, „Leben und leben lassen“ ist da ein sehr guter Grundsatz.

 

6 Antworten auf „Leben und Leben lassen“

  1. Diese Situationen kenne ich auch. Auf dem Markt ist mir das zum Glück noch nie passiert, aber so Menschen gibt’s leider. Du triffst den Punkt mit deinen Worten ganz gut. Ich hoffe, du hast dich nicht zu sehr darüber aufgeregt und den Tag dennoch genossen!

    1. Liebe Leila, danke für dein schönes Feedback. Nein, wirklich geärgert habe ich mich nicht … Aber es war mir wichtig hier etwas dazu zu sagen. Vielleicht kommt es ja bei ein paar Leuten an und dann hat es schon etwas gebracht 🙂
      Viele Grüße!

  2. Es ist der Grundsatz überhaupt! Ich lebe mein Leben danach, finde mich aber auch selbst immer mal wieder mit einem Fragezeichen über dem Kopf wieder. So ehrlich muss man sein … man urteilt und jeder tut es! Die Aufgabe besteht darin sich dessen nur bewusst zu sein … abzuschätzen, ob man das Urteil für sich behält oder es ausspricht. Die Spreu vom Weizen trennt sich genau da … Bewusst urteilen und bewusst aussprechen. Man merkt den Leuten ja letztlich an, ob deren Aussage tatsächlich durchdacht ist.

    1. Lieber Sebastian, genau so sehe ich das auch! Aber wie du schon sagst, ist es vielen vermutlich überhaupt nicht bewusst wie manche Kommentare wirken können. Viele Grüße!

  3. Liebe Frau Sauns,
    ich kenne solche Situationen auch. Ich war die Tage erst im Urlaub und hatte eine ähnliche Situation am Strand, als ich mir mit meiner Freundin die Füße gewaschen habe. Tatsächlich gibt es sogar im Urlaub Menschen die meinen, überall ihren Kommentar abgeben zu müssen! Dies ärgerte mich auch sehr, jedoch ist es, wie du schon sagtest, oft die beste Reaktion einfach darüber zu lachen 😀

    1. Hallo liebe Giulia, es freut mich sehr zu hören, dass deine Freundin und du euch den Spaß nicht habt nehmen lassen! Hoffe, ihr hattet einen schönen Urlaub!
      Liebste Grüße von Frau Sauns 😀 :*

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