Warum ich mit Helm fahre und trotzdem Freunde habe

Fahrrad wird hier in Münster viel gefahren. Nur leider fahren die wenigsten Radler mit Helm oder das nur für kurze Zeit und der Helm bleibt wieder Zuhause liegen. Ohnehin wird gerne gesagt, dass nur Ottos mit Helm fahren – und Frau Sauns! Warum und wieso schreibe ich hier.

Seitdem ich in Münster wohne, fahre ich tagtäglich Fahrrad. Bei dem schlechten Busnetz und fehlender Stadtbahn bleibt einem auch nichts anderes übrig, außer man liebt Spaziergänge! Die reichen Taxi- und Autofahrer lasse ich mal außen vor! Die Radwege sind gut ausgebaut, die Autofahrer sind auf Radfahrer und deren Verkehrsverhalten konditioniert und somit findet man sich hier ganz gut ein.

Ich lebe seit 2015 in Münster, davor habe ich in einem kleinen Kaff gewohnt, in dem man auch mit Fahrrad nicht weit kam und aufs Auto angewiesen war. Bei den einmal jährlich stattfindenden Fahrradtouren empfand ich einen Helm nicht als sonderlich wichtig, denn die Gefahr sind ja meist die anderen Verkehrsteilnehmer bzw. Autos und nicht das Laubblatt auf dem Waldboden.
Ich lasse hier mal ein paar harte Fakten einfließen um den Beitrag qualitativ etwas zu upgraden und Seriosität zu verschaffen.
Im Jahr 2016 gab es allein in Münster insgesamt 10 501 Fahrradunfälle, von denen 1238 zu Verletzungen führten. Die Todeszahl mit 5 ist sehr klein, dennoch existiert sie.

Als ich also hier hin zog, entschloss ich mich sofort mit Helm zu fahren und hatte erstmal ein recht hässliches Exemplar, das mich auch nicht gerade schmückte und fuhr damit überall hin. Ich erkannte nach und nach, dass es auch Helme in Form und Farbe einer Melone gab, Marienkäfer, lässige Bikerhelme und neonfarbene für die ganz besonders vorsichtige Sorte Mensch.
In der O-Woche fand ich nur einen Kommilitonen, der auch mit Helm fuhr oder zwei, fest stand jedoch, dass wir in der Unterzahl waren. Komischerweise haben wir aber gar keine Helm-Clique gegründet, auch wenn das natürlich nahe liegend gewesen wäre.

Ich weiß mittlerweile, dass ich anfangs die „Helm-Laura“ war und vielleicht auch etwas belächelt wurde – ist ja auch uncool! Aber ich habe den Helm nie aufgegeben. Einige überlegten auch mit Helm zu fahren, taten das einen Monat lang und gaben es dann wieder auf.

Warum ich mit Helm fahre:
Fahrradunfälle passieren schneller als man denkt, selten ist man selbst schuld daran und gegen ein Auto komme ich einfach nicht an. Na klar, wenn es über mich drüber rollt, bringt mir auch der Helm nichts mehr. Meistens knallt der Radfahrer aber mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe, Motorhaube oder auf die Straße und den Bordstein. Da hilft mir ein Helm natürlich ungemein. Im Vorfeld habe ich schon von Unfällen von Bekannten gehört, denen ein Helm eine ernsthafte Kopfverletzung erspart hat. Mit einem Helm sehe ich scheiße aus, mit Kopfwunde auch! Ein Helm ist umständlich mit sich rum zutragen und passt nur schlecht über die Frisur – ohne Helm kann es sein, dass ich mir nicht mehr selber die Haare waschen kann, sprechen kann, ja, behindert bin. In welchem Verhältnis steht das Ganze also zueinander? Für mich in keinem, der Helm hat definitiv den Vorrang und verkörpert das geringere Übel.

Jedem dem ich das erzählt habe, wenn dann mal die Frage „Helm – ja oder nein?“ zur Sprache kam, stimmte mir uneingeschränkt zu. So uncool ist ein Helm also gar nicht. Aus der Helm-Laura wurde dann irgendwann nur noch Laura. Viele sagen sogar, dass sie eigentlich auch mit Helm fahren sollten und sie es vernünftig finden – im Endeffekt setzen es die Wenigsten um. Es ist ja auch nicht angenehm; im Sommer ist es unangenehm warm und bei Regen braucht man eine Kapuze, die auch noch über den Helm passt.

Ob ich meinen Helm schon mal brauchte?
Ich hatte bisher zwei Fahrradunfälle. Nichts Großes, aber ich bin eben gefallen. Einmal haben sich mein Lenker und der Lenker einer Kommilitonin ineinander verhakt und wir sind hingefallen. Das wäre vermeidbar gewesen und ich bin dabei auch aufs Kinn gefallen. Ich hatte dann am Kinn eine Platzwunde und eine leichte Gehirnerschütterung, damals habe ich mir geschworen, dass mein nächster Helm einen Kinnschutz bekommt – das hat sich nicht bewahrheitet.
Beim zweiten Sturz war es sehr kalt und die Straßen waren eigentlich alle gut befahrbar, nur in einer Kurve war es ganz plötzlich spiegelglatt. Dort bin ich dann mit dem Fahrrad weggerutscht und direkt auf dem Kopf gelandet. Dank Helm ist nichts passiert.

Ich fahre also weiterhin mit Helm und meine Freunde haben sich mittlerweile auch dran gewöhnt. Ich denke Eitelkeit hat hier einfach nichts zu suchen, es geht ja um die eigene Sicherheit.

Gute Fahrt!

4 Antworten auf „Warum ich mit Helm fahre und trotzdem Freunde habe“

  1. Ich fahr auch mit Helm. Besonders auf allen Kurzstrecken und im Sommer, wenn es besonders heiß ist. Der Helm hat mich schon zweimal vor Kopfweh oder Schlimmeren bewahrt.

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