Woche zwei

Ja, auch die zweite Woche ging vorüber und barg ein paar Verlockungen mehr. Aber, das, worauf natürlich alle gespannt sind – ich bin standhaft geblieben! Was ich so erlebt und gegessen habe, erzähle ich euch hier. Und weil diese Woche wieder Herbst war, noch das passende Bild dazu!

Nachdem ich in der ersten Woche sowieso nur im Bett vor mich hin vegetiert bin, wurde ich in dieser Woche wieder richtig fit und der Appetit kam auch hereingeschneit. Am Montag bekam ich noch Invaliden-Besuch und mir wurde Kürbissuppe  und Frikadellen mitgebracht. Diese hätte ich unter „normalen“ Umständen sofort gegessen – hab ich aber nicht. Mein Freund hat sich darüber auch gefreut und gefehlt hat mir nichts.

Ich habe bemerkt, dass ich vor allem vor dem Essen oft Appetit auf Fleisch habe. Wenn ich dann erstmal angefangen habe zu essen und der erste Hunger gestillt ist, ist auch die Lust nach Fleisch weg. Das finde ich auch ganz gut so, es wundert mich allerdings, warum gerade Fleisch mein erstes Bedürfnis ist. Gründe dafür können sein:

  • ich darf im Moment kein Fleisch essen. Jeder kennt das Phänomen – das, was man nicht haben kann, will man am meisten. Vielleicht liegt darauf im Moment einfach etwas mehr mein Fokus und somit kreist dieses Lebensmittel besonders in meinem Kopf herum.
  • Eisenmangel; Glaube ich jedoch nicht, hatte ich bisher nie und nach zwei Wochen kann sich das kaum derart manifestieren. Ich werde mir allerdings für Woche drei mal ein paar Hülsenfrüchte vornehmen, da ist auch allerhand Eisen drin zu finden!

Also Frikadellen waren kein Problem und problemlos ging es die ganze Woche weiter. Anstelle von Wurst eben Käse und Marmelade, im Restaurant eben nach einer vegetarischen Alternative suchen. Wobei ich da sagen muss, dass die vegetarischen Hauptgerichte in manchen noch so tollen Restaurants, einfach nicht halb so raffiniert sind. Da hatte ich dann schon den Eindruck, dass etwas fehlte. Das lag dann aber wirklich nicht an mir, viel mehr am Gericht. Denn ich finde, der Koch ist dafür verantwortlich, dass der Gast dann nicht den Einruck bekommt, sich gerade von Beilagen zu ernähren. Aber egal, alles halb so wild!

A propos Eisen, ich habe diese Woche das erste mal mit Quinoa gekocht. Das soll ja ein ganz besonders gesundes Korn sein. Vor zwei Jahren wusste ich noch nicht mal was es ist, aber mittlerweile findet man es ja wirklich überall. Für 500g in Bioqualität zahlt man ca 4€, das ist nicht ganz billig, aber wenn man schon kein Fleisch mehr isst, kann man sich doch eine ordentliche Portion Quinoa gönnen! Ich habe also ein bisschen improvisiert und habe wirklich eine ganz leckere Mahlzeit gezaubert. Wenn man das Quinoa dann mit Gemüse mischt, bekommt es sogar eine ähnliche Konsistenz wie Hackfleisch. Zu meinem Rezept schreibe ich gerne demnächst mal etwas.

Ich habe jedenfalls etwas Neues ausprobiert und dazu war das ganze Experiment auch gedacht und es freut mich, dass es funktioniert hat!

Meine nächste Herausforderung wartete allerdings nicht lange auf sich, denn mein Freund – absolutes Wettessen-Fangirl – hat sich den Traum verwirklicht, ein 1,8kg Steak im Restaurant zu bestellen und versucht es zu essen.
Nun ja, ich war froh, dass ich nicht dabei war. Ich finde es ja wunderbar, wenn man seine Träume verwirklicht und da möchte ich auch niemandem bei im Weg stehen, allerdings teile ich diesen Traum nicht mit ihm. Später habe ich dann mal ein Video und lauter Bilder von diesem Steak gesehen und ich fand es echt ekelig. Dieses Steak war ungefähr 5cm dick und halt riesengroß. Das ist mir einfach eine Nummer zu heftig und finde ich, auch wenn ich Fleisch sehr gerne mag, auch überhaupt nicht verlockend oder appetitlich.

Gut, ihn hat es glücklich gemacht, er hat es leider nicht komplett geschafft, aber es dann eben die nächsten Tage aufgegessen und das ist dann auch vollkommen okay für mich.
Denn, ich habe in den letzten Tagen auch den Begriff „Nazi-Vegetarier“ gelernt.

Nazi-Vegetarier
Definition:  ein Vegetarier (dabei kann Vegetarier auch beliebig durch Veganer ausgetauscht werden), der andere ständig mit seiner Moral hinsichtlich des Fleischkonsums belehrt und damit nervt. (Hitler war übrigens Vegetarier, habe ich bei meiner Recherche herausgefunden … naja egal)!

Jedenfalls lasse ich meinen Freund das 1,8kg Steak gerne essen und somit seinen Traum verwirklichen, weil ich eben kein Vegetarier-Nazi bin! Juhu!

Dann habe ich an einem Abend ein paar Bier getrunken, das war schön! Das Traurige war allerdings, dass ich in dieser Nacht dann von Currywurst geträumt habe und morgens bin ich dann mit einem leicht übersäuerten Magen aufgewacht und wollte so gerne Currywurst essen. Das ging dann allerdings nicht und somit habe ich mein Verlangen versucht mit Pommes zu stillen, aber es ging nicht. Ich habe immer noch Lust auf Currywurst. Und ja, ich bin die Tochter meines Vaters und wenn er das hier liest, wird er stolz sein!
Ich werde also, wenn Woche 4 vorüber ist zum Baumarkt oder an den Bahnhof fahren um Currywurst zu essen und das wird mich vermutlich sehr glücklich machen. Angenommen, das Verlangen bleibt bestehen!

Etwas schockierend war diese Woche, dass ich auch mit einem Gespräch konfrontiert wurde, das ich mit dem heutigen Wissen, einfach nicht mehr erwartet hätte. Mir wurde, vermutlich gut gemeint gesagt, dass ich Fleisch bräuchte, weil ich sonst nicht genug Eiweiß zu mir nehmen würde. Und da habe ich dann nur gedacht, oh je mine, wie müssen sich die armen Veganer nur fühlen, wenn bei ihnen jeder etwas mitzureden haben will.

Also Leute, guten Appetit und auf in Woche 3!

 

 

2 Antworten auf „Woche zwei“

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