Zu früh zu spät oder gar nicht

Okay, heute schreibe ich über Sex. Ich habe mir wirklich Gedanken gemacht ob ich das tun soll oder nicht, aber ja – ihr könnt es lesen. Ich mache das, weil niemand mit dem ich darüber gesprochen habe, diese Situation nicht kennt.  Andersherum: jeder kennt das Problem, hat es erlebt und es wird nicht darüber gesprochen. Ich wünsche aber jedem Menschen, den es aktuell belastet, dass er es versteht und vor allem versteht wie normal das ist. 

Lange Rede kurzer Sinn, oft gibt es gerade zu Beginn von Beziehungen Probleme mit der Erektion. Fast alle meine Freundinnen haben sich auch schon gefragt „Warum kriegt mein Freund plötzlich keinen hoch?“, wenn es schließlich ernst werden sollte.

Das alles kann sehr belastend sein, gerade für junge Menschen, die damit nur sehr schwer umgehen können – das Ganze persönlich nehmen. So hinterfragen junge Frauen gerne ihre Attraktivität, während junge Männer an ihrer Männlichkeit zweifeln. Um es plausibel zu erklären muss ich leider etwas ausholen, es lohnt sich aber! Hier also die Erklärung für dieses Phänomen.

Das Nervensystem des Menschen
Erregung hat jede Menge mit dem Nervensystem zu tun. Dieses ist sehr komplex und besteht aus zwei Teilen:
– dem Parasympathikus und
– dem Sympathikus
Beide Teile sind sehr wichtig und interagieren miteinander. Ganz grob erläutert sorgt der Parasympathikus im Körper für Entspannung. Wenn wir müde sind, wir entspannt irgendwo rumsitzen, eine kleine Runde gemütlich spazieren gehen oder nach dem Essen im sogenannten „Suppenkoma“ verweilen ist er aktiv.
Der Sympathikus hingegen ist aktiv wenn wir uns anstrengen bzw. aufgeregt sind. Zum Beispiel beim Leistungssport, beim Tanzen oder eben in aufregenden Momenten in denen wir verstärktes Herzklopfen haben. So viel dazu.

Diese beiden Kompartimente betreffen grundlegend die männliche Sexualität. So geht eine Erektion immer mit einer Parasympathikus-Aktivität (Entspannung) einher, während die finale Ejakulation vom Sympathikus ausgelöst wird.

Wer bis hierhin aufmerksam mitgelesen hat, kann vielleicht schon vermuten, wodurch das Problem beim Sex verursacht wird.
Wenn der Mann also keine Erektion bekommt, obwohl er sich eigentlich sehr sehr sehr erregt fühlt; ist er im Zweifel zu erregt und auch zu aufgeregt. In dem Moment kann nämlich der Parasympathikus nicht arbeiten (sprich: die Erektion nicht auslösen), weil der Sympathikus (durch die Aufregung) schon arbeitet. Aber die beiden Systeme können nicht gleichzeitig aktiviert sein. Also herrscht tote Hose und das nicht, weil er sie langweilig findet, sondern viel mehr, weil er sie extrem aufregend findet.

Ähnlich verhält es sich bei der Problematik, dass der Mann sehr schnell ejakuliert. Wenn der Mann also entspannt genug war eine Erektion zu bekommen, aber trotzdem ein wenig aufgeregt ist, tritt genau dieser Fall ein. Der Parasympathikus ist zwar NOCH aktiv, ABER der Sympathikus lauert (durch die starke Aufregung) schon hinter der nächsten Ecke. Es genügt also ein kleiner Funken weiterer Erregung und schon wird der Sympathikus aktiviert. Dadurch wird der Parasympathikus inaktiv und der Sympathikus löst die Ejakulation frühzeitig aus.

Beide Phänomene sind also total normal für jemandem, dem an der Beziehung zur Frau viel liegt. Es hat weder etwas mit fehlender Attraktivität zu tun, noch mit der körperlichen Männlichkeit.
Ich denke,  dass das Wissen die Schwere des resultierenden Problems deutlich vermindern kann. Jeder sollte ein Recht darauf haben zu wissen wie normal und menschlich er oder sie ist.

Bitte redet miteinander – aus so einem vollkommen gesunden Verhalten (oder Phänomen) sollte kein Kummer mehr entstehen müssen!

P.S.: Ich gebe zu, das „zu spät“ aus dem Titel wird hier nicht erklärt. Vielleicht könnt ihr es euch mit dem neu erlernten Wissen selbst erklären? Ansonsten fragt nach oder seht es als meine künstlerische Freiheit!

 

2 Antworten auf „Zu früh zu spät oder gar nicht“

  1. Ein sehr informativer Artikel, Laura. Ich hab mich selbst mit diesem Thema nie beschäftigt. Aber ich habe natürlich auch bei mir gemerkt, dass es Zeiten gibt wo es mal mehr oder mal weniger gut funktioniert. Eine Erklärung dafür zu haben beruhigt das Gewissen der Betroffenen sicherlich. Was ich mich oft Frage… Warum ich den Kopf dabei oft nicht ausschalten kann. Hast du dafür auch eine Erklärung? Vielen Dank für den schönen Artikel 🙂

    1. Vielen Dank für dein schönes Feedback! Also wieso du dir zu viele Gedanken machst, kann ich dir (mit meinem Stand) nicht medizinisch erklären. Das ist vermutlich einfach davon abhängig wie viel du gerade zu tun hast und was dich zu der Zeit akut beschäftigt.
      Viele Grüße 🙂

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